Botschaften der Windindustrie zur Bundestagswahl 2021

Der fortschreitende Klimawandel verdeutlicht, dass vorhandene Potenziale genutzt werden müssen, um dieser Entwicklung etwas entgegenzusetzen. Die Windenergie an Land und auf See für die Erzeugung von Strom und "grünen" Wasserstoff sind essenziell für die Erreichung der deutschen Klimaziele. Auch bei der Dekarbonisierung der Industrie und der kostengünstigen nachhaltigen Energieerzeugung spielen sie eine Schlüsselrolle. Ziel muss sein, alle vorhandenen Potenziale zu nutzen. Es gibt keine Wartezeit mehr – Klimaschutz, Wirtschaft und Arbeitsplätze erfordern umgehendes politisches Handeln. Wir befinden uns bereits in der Klimakrise.

Klimaschutz bietet ökonomische Chancen - Offshore Wind ist die Schlüsseltechnologie zur Erreichung der deutschen Klimaziele.

  • Geben Sie ein klares Bekenntnis zum Klimaschutz und vor allem zum Ausbau der Windenergie an Land und auf See als Rückgrat der Energiewende ab.
  • Notwendige Investitionen in den Klimaschutz sichern die Windindustrie sowie deren Zulieferkette.
  • Die Energiewende lässt sich nur erfolgreich umsetzen, wenn es einen langfristigen Fahrplan gibt, den die Bevölkerung nachvollziehen und mit dem die Industrie planen kann.
  • Klimaschutz und der Strombedarf der energieintensiven Industrie erfordern massiven Windenergie-Ausbau an Land und auf See und umgehende Erzeugung von grünem Wasserstoff.
  • Alle Beschleunigungs- und Ausbaupotenziale heben - Import wird trotzdem erforderlich sein.
  • Schaffung einer zentralen Koordinierungsstelle für die Belange und Genehmigungsprozesse im Rahmen der Energiewende.
  • Um die Bauaktivität schnell voran zu bringen, müssen mehr Flächen schneller zur Verfügung gestellt werden. Ko-Nutzungsansatz (Schifffahrtsrouten / Militärflächen / Naturschutz) / Auktionen vorziehen.

Ergänzend:

  • Stellen Sie sich entschlossen hinter den Europäischen Green Deal und fördern Sie die notwendigen Konjunkturpakete, den klimafreundlichen Umbau der Energieversorgung hin
    zu erneuerbaren Energien und passen Sie die nationalen Klimaziele an den europäischen Weg an.
  • Unterstützen Sie die Forschungsvorhaben im Bereich schwimmende Offshore Windkraft
  • Optimieren Sie die Exportinitiative und unterstützen Sie KMU beim Markteintritt (Nationale Pavillons, Delegationsreisen, etc.).
  • Geben Sie eine transparente Übersicht zu möglichen Förderungsmaßnahmen im Bereich Windkraft auf See - bestenfalls EU-weit.

Zur Zielerreichung erforderliche politische Maßnahmen:

Windkraft auf See

  • Modernisieren und stärken Sie die am Offshore-Wind-Ausbau beteiligten Behörden - auch über die Zusammenarbeit mit erfahrenen und kompetenten externen Dienstleistern. Solche Arbeitspakete können für Projektentwickler Auftragsvolumen generieren.
  • Ermöglichen Sie ein Ausbauziel von mindestens 35 Gigawatt bis 2035. Hinzu kommt der Bedarf der energieintensiven Industrie.
  • Bringen Sie ein Contracts for Difference (CfD)-Regime auf den Weg. Dieses kann im Gegensatz zum existierenden Ausschreibungsregime stabilisierend wirken. Die Windindustrie benötigt stabile Marktbedingungen anstelle von stetigem Preisdruck. Windparkprojekte, die ans Netz angeschlossen werden, um den Strom einzuspeisen, sollten mittels eines CfD-Systems gesichert werden.
  • Eine andere Idee ist, die EEG - Umlage als Fonds zu organisieren und damit aus dem Strompreis zu entfernen. Somit wäre das Modell zwar zunächst steuerfinanziert, aber die zukünftigen Erlöse aus der CfD-Regelung und/oder die CO2-Preis-Einnahmen können helfen, die Lasten zu verringern. So würde auch der Strompreis für Privathaushalte sinken und damit in diesen schwierigen Zeiten für eine wichtige Entlastung sorgen. Das CfD-Regime soll eine angemessene Refinanzierung sicherstellen.

Unterstützende Hinweise

  • Offshore-Wind ist ein sehr innovativer Sektor. Wir stellen nicht nur grüne Terawattstunden bereit, sondern bieten dem System darüber hinaus auch weitere systemdienliche Eigenschaften. Dies wird sich im Zusammenspiel mit Wasserstoff noch verstärken und eine hohe Flexibilität bieten.
  • Verbessern Sie die Forschungsförderung für die Windkraft auf See für kleine und große Akteure (Testfelder, Prototypstandorte, Forschungsmittel, ...). Zur stetigen, erfolgreichen und lieferkettenübergreifenden Weiterentwicklung ist weitere Forschung erforderlich. Ein wichtiger Fokus ist schwimmende Windenergie.

Windenergie an Land

  • Gewährleisten Sie die Verfügbarkeit von Flächen. Regen Sie eine Bund-Länder-Strategie zur Ausweisung von Flächen für die Windenergienutzung an, inklusive bisher gesperrter Nutzflächen in Kulturwäldern. Das 65-Prozent-Ziel Erneuerbare Energien bis 2030 sollte dabei handlungsleitend sein.
  • Digitalisieren Sie das Genehmigungsverfahren und machen Sie es transparent: Die Behörden müssen entsprechend des Ausblicks auf die bevorstehende Klimakrise ausgestattet werden. Eine stringente Bearbeitung von Windenergievorhaben in der gesamten Verwaltungshierarchie muss ausdrücklich politisch gefordert sein.
  • Verzichten Sie auf pauschale Abstandsregelungen (auch keine Willkür auf Landesebene). Die bestehenden Vorgaben im Genehmigungsprozess (BImSchG, TA Lärm, Rücksichtnahmegebot) sind geeignet und ausreichend, um den Gesundheitsschutz der Anwohner und die Vermeidung einer optisch bedrängenden Wirkung zu ermöglichen.
  • Setzen Sie sich für die Akzeptanz der Windenergie an Land ein: Adressieren Sie Servicestellen auf Landesebene und schaffen Sie so mit Hilfe der Länder Beteiligungs- und Dialogformate für Anlieger. Gerade vor dem Hintergrund der hohen Akzeptanz der Energiewende liegt es nahe, den Dialog mit der Bevölkerung und allen relevanten Akteuren, speziell mit den innovativen kleinen und mittelständischen Unternehmen, aktiv gemeinsam zu gestalten.
  • Auch die vom Bundeswirtschaftsministerium vorgelegten Vorschläge zur Steigerung der Akzeptanz der Windenergie an Land könnten einen wichtigen Beitrag zur Umsetzung der Energiewende leisten. Die Arbeitsmarkt-Chancen, die die Windindustrie in Deutschland bietet, können Akzeptanzfragen positiv beeinflussen.
  • Richten Sie ein bundesweites Online-Artenschutzportal ein, um entsprechende Vorgaben und Auflagen zu standardisieren.
  • Das Repowering alter Anlagen vor Ort sollte stets erste Wahl sein, wenn ihr Betrieb vor Ort akzeptiert und die Infrastruktur vorhanden ist. Sofern ein Repowering nicht möglich ist, bedarf es adäquater Nachnutzungskonzepte.

"Grüner" Wasserstoff

  • Nutzen Sie parallel zur verstärkten Elektrifizierung der Gebäude- und Verkehrssektoren sowie der Industrie das Potenzial von "grünem" Wasserstoff für die Energiewende und gestalten Sie die Sektorenkopplung effizient. Gehen Sie hierbei von einem steigenden Bedarf an heimischem Windstrom aus, der sich in den Ausbaupfaden für On- und Offshore-Windenergie wiederfinden sollte.
  • Sorgen Sie dafür, dass der Zubau von Elektrolyseuren mit dem Ausbau erneuerbarer Energien in Deutschland verzahnt wird.
  • Setzen Sie die entsprechenden Anreize, mit dem Ziel einer deutlichen Lenkungswirkung, um so die Nutzung von "abzuregelndem" Windstrom, der im Stromnetz keinen Platz mehr findet, den Einsatz von Speicherlösungen, den Transport von Energie sowie die Produktion synthetischer Kraftstoffe marktwirtschaftlich zu ermöglichen.
  • Weisen Sie Flächen im Flächenentwicklungsplan für 5 Gigawatt Offshore-Wasserstofferzeugung aus.
  • Wasserstoff-Transportpipelines sollten im Raumordnungsplan für die Nordsee aufgenommen werden.
  • Es bedarf einer "stromseitigen" Anbindung von Offshore-Windparks, um die Energie je nach aktuellem Bedarf im Strom-, Wasserstoff- oder Gassystem (Gesamtsystem) am besten zu nutzen. Dabei gilt auch, dass Offshore Windenergie aus Gründen des Gesamtwirkungsgrads - soweit möglich - netzdienlich ins Stromnetz integriert werden sollte.

Lokale Wertschöpfung (Beschäftigung/Export)

  • Wertschöpfung in Deutschland stärken und nicht ins Ausland abwandern lassen, indem man die Konkurrenzfähigkeit Deutschlands erhöht.
  • Lokale Wertschöpfung sollte zu einem wesentlichen und qualitativen Auswahlkriterium werden / alternativ: Wertschöpfungsvorgaben anderer Länder müssen aktiv diskutiert werden (Branchen Task-Force).
  • Es bedarf der Unterstützung von Qualifizierung und Weiterbildung des Arbeitsmarktes. Durch "green skills"-Angebote können sich Arbeitnehmer*innen gezielt weiterbilden.
  • Bieten Sie der Windindustrie in der aktuellen konjunkturellen Situation eine kurzfristige Unterstützung, die über die Gewährung von Krediten hinausgeht. Z.B.: Unterstützung für die Qualifizierung der Mitarbeiter*innen von kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) und Micro-KMU bei fehlendem Ausbau.

Klimaschutz & Sektorenkopplung

  • Eine Balance zwischen Klimaschutz und Umweltschutz muss gefunden werden (Ko-Nutzung)
  • Fördern Sie Forschung, Entwicklung und Innovation, insbesondere im Bereich Sektorenkopplung. "Grüner" Wasserstoff wird einen entscheidenden Beitrag zur Treibhausgasneutralität aller Sektoren leisten, vor allem in den Bereichen Industrie und Gewerbe, Mobilität, Energieeffizienz und Wärme. Voraussetzung für den Einstieg in die Wasserstoffwirtschaft ist der umfassende Ausbau der erneuerbaren Energien einschließlich Windenergie auf See und an Land.
  • Konsequente und zeitlich planbare Staffelung einer CO2-Bepreisung für alle fossilen Energieträger, die nicht dem ETS-CO2-Zertifikatehandelssystem der EU unterliegen. Der aktuell angesetzte CO2-Preis im deutschen Klimagesetz ist für eine Lenkungswirkung zu gering und sollte bis 2025 in Richtung 100 €/t. angehoben werden.
  • Eine marktwirtschaftliche Reform der staatlich induzierten Preisbestandteile im Strom- und im gesamten Energiesektor ist notwendig. Die wahren volkswirtschaftlichen Kosten sollten sich in allen Energieträgern wiederfinden.