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In sechs Schritten zur Wasserstofferzeugung auf See

In einem gemeinsamen Agenda-Papier setzen sich acht Verbände und Netzwerke als "Offshore-Wind-H2-Achter" für sechs Schritte ein, mit deren Hilfe die Wasserstofferzeugung auf See in Deutschland ermöglicht wird. Zentrale Ziele der Initiative: Den Beitrag dieser Technologie für die Dekarbonisierung der Industrie zu stärken und die Vielfalt der Bezugsquellen für heimisch gewonnenen "grünen" Wasserstoff zu erhöhen.

"Die Wasserstofferzeugung auf See in der deutschen ausschließlichen Wirtschaftszone bietet großartige Chancen für den Ausbau der Elektrolyse-Kapazität für die Ziele der nationalen und europäischen Wasserstoffstrategie und für die Offshore-Windenergie-Entwicklung in Deutschland, wenn sie zu wirtschaftlichen Bedingungen ermöglicht wird. Wir brauchen jetzt ein Sprinter-Programm, um den internationalen Anschluss nicht zu verpassen", so die Offshore-Wind-H2-Achter-Akteure.

Mit den sechs aufgeführten Maßnahmen kann der Aufbau einer Grünen Wasserstoffunion gelingen und so auch die grenzüberschreitende Kooperation mit den europäischen Nachbarstaaten gefestigt werden. Die Erzeugung und die vorgelagerte industrielle Produktion im Inland und der Aufbau von Produktionsanlagen von Grünem Wasserstoff mit den europäischen Partnerstaaten bieten langfristige Beschäftigungsperspektiven für zu qualifizierende Fachkräfte. Der Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft ist mit einem enormem Wachstumspotenzial für den deutschen Maschinenbau und die Wirtschaft insgesamt verbunden.

Der Offshore-Wind-H2-Achter empfiehlt daher sechs Maßnahmen:

1. Verpflichtendes Mengenziel für Grünen Wasserstoff beschließen und die entsprechenden Flächen bereitstellen

Das Ausbauziel für die Offshore-Wasserstofferzeugung sollte auf zehn Gigawatt bis 2035 in der Nationalen Wasserstoffstrategie und im Windenergie-auf-See-Gesetz (WindSeeG) verbindlich festgelegt werden, um einen stabilen Entwicklungspfad aufzuzeigen. Die bislang einzige vorgesehene Fläche in der Nordsee ist mit ihrem Potenzial von 300 Megawatt bei weitem zu klein. Um einen Markthochlauf sowie die Erprobung verschiedener Konzepte im industriellen Maßstab zu ermöglichen, sind weitere Flächen notwendig. Ideal sind küstenferne Flächen, die für Offshore-Windenergie geeignet sind, für die aber bis 2035 ein Stromanschluss zu kostenaufwändig wäre. So lassen sich nach Ansicht der Unterzeichnenden die Offshore-Windenergie-Potenziale realisieren. Den Prüfauftrag des Gesetzentwurfs für eine WindSeeG-Novelle für die naturverträgliche Erschließung eines zusätzlichen Potenzials von 4 bis 6 Gigawatt Windenergie auf See im "Entenschnabel" der deutschen ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) begrüßen die Organisationen. Im Rahmen eines Sprinterprogramms für die Grüne Wasserstoffproduktion in Deutschland für 3 Gigawatt (2 Gigawatt Offshore plus 1 Gigawatt Onshore) schlagen die Unterzeichnenden Ausschreibungen für das 1. Quartal 2023 vor.

2. EU-rechtliche Vorgaben an den Strombezug für die Elektrolyse weit fassen

Um ausreichend Wasserstoff zu wettbewerbsfähigen Preisen produzieren zu können, müssen die Anforderungen an den Strombezug für die Elektrolyse möglichst weit gefasst werden. Die Vorgaben der Erneuerbare-Energien-Richtlinie (RED II) der Europäischen Union (EU) werden dem nicht gerecht. Die Begrenzung auf Neuanlagen führt zu einem eheblichen Kostenanstieg bei der Elektrolyse sowie dazu, bei gleicher Elektrolyseurleistung deutlich weniger Grünen Wasserstoff produzieren zu können. Die Bundesregierung sollte bei der Umsetzung der EU-Regeln deshalb auch ausgeförderte und ältere EE-Stromanlagen als zusätzlich betrachten.

3. Wasserstoff-Sammelpipelines in der Nordsee ermöglichen

Eine Wasserstoff-Sammelpipeline in der Nordsee kann nach gegenwärtigem Erkenntnistand bei größeren Mengen offshore-produzierten Grünen Wasserstoffs vorteilhafte Bedingungen für den Transport des Grünen Wasserstoffs an Land bieten. Darüber hinaus werden beim jetzigen dynamischen Entwicklungsstand laufend neue Erkenntnisse im Sinne einer volkswirtschaftlichen Gesamtbetrachtung generiert. Laut einer aktuellen Studie bietet eine Pipeline gerade bei größeren Entfernungen erhebliche Vorteile gegenüber einer See- und Landkabelverlegung mit Blick auf Zeitersparnis und Umweltverträglichkeit. Bei einer installierten Erzeugungsleistung von 10 Gigawatt wären für eine vergleichbare elektrische Leistung 5 Kabelsysteme erforderlich. "Die Raumordnung für einen effizienten Trassenverlauf muss dafür zwingend angepasst werden. Insofern begrüßen wir den Ansatz im Entwurf der WindSeeG-Novelle, wonach Sammelpipelines aus sonstigen Energiegewinnungsbereichen bisher vorgesehenen Gleichstromtrassen gleichgestellt werden", so die Organisationen.

4. Erzeugung von Grünem Wasserstoff wirtschaftlich machen

Noch ist Grüner Wasserstoff nicht wettbewerbsfähig gegenüber Wasserstoff, der aus fossilen Brennstoffen hergestellt wird. Die Entwicklung eines wettbewerblichen Marktdesigns für Offshore-Wind-Wasserstoff ist daher ein erforderlicher Schritt zum Ausgleich von Kostendifferenzen. Ein Programm zur Unterstützung des Markthochlaufs einer deutschen Wasserstoffindustrie und einer Grünen Wasserstoffproduktion sollte ein nachhaltiges Fördervolumen von mindestens 10 Milliarden Euro umfassen. Dieses Programm untermauert die Klimaziele und die Energieversorgung gleichermaßen.

Das Förderkonzept soll auf der geprüften EU-konformen marktnahen Systematik von H2Global aufbauen und zunächst mindestens 2 Gigawatt Elektrolyseleistung unterstützen. Analog zum bisher importorientieren H2Global Programm für die heimische Erzeugung sollten Carbon Contracts for Difference die Möglichkeit bieten, die Abnahmebereitschaft für Grünen Wasserstoff anzureizen.

5. Ausbildungs- und Beschäftigungsprogramm starten

Der Fachkräftemangel verschärft sich auch in der Offshore-Windbranche und allen anderen Bereichen der Energiewende. Der Ausbau der Windenergie auf See und der Aufbau einer Grünen Wasserstoffwirtschaft ist auf gut ausgebildete Fachkräfte angewiesen. Die Unterzeichnenden fordern daher, die Erfordernisse der Energiewende von der schulischen, beruflichen und akademischen Bildung den Anforderungen entsprechend anzupassen. Dazu gehört eine starke Förderung von Frauen in sogenannten technischen Berufen. Zudem müssen die Rahmenbedingungen für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland im globalen Wettbewerb konkurrenzfähig sein, um nach wie vor für qualifiziertes Personal attraktiv zu sein. Der Wettbewerb um diese Fachkräfte nimmt schon heute richtig Fahrt auf.

6. Wasserstoff-Partnerschaft zwischen Politik und Wirtschaft bilden

Die unterzeichnenden Organisationen setzen sich für eine Partnerschaft von Politik und Wirtschaft ein, um zügig und effektiv an notwendigen Weichenstellungen moderierend und übergreifend mitzuwirken, den Ausbau der erneuerbaren Energien gemeinsam mit Grünem Wasserstoff insbesondere auf See zu beschleunigen. Dafür steht der "Offshore-Wind-H2-Achter", eine 2021 gegründete Verbundinitiative der unterzeichnenden Akteure.

Zu den Unterzeichnern des Papiers zählen der AquaVentus Förderverein, der Bundesverband Windenergie Offshore, der Deutsche Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Verband, der Förderverein des Clusters Erneuerbare Energien Hamburg e.V., die Netzwerkagentur Erneuerbare Energien Schleswig-Holstein EE.SH., die IG Metall, die Stiftung Offshore-Windenergie sowie der Wind-Wasserstoffverband und das Innovationscluster WAB e.V.

Link zum Agenda-Papier: https://bit.ly/Offshore-H2-8er-Appell

Bildunterschrift: Überreichung des Appells "Partnerschaft für eine klimaschützende Wasserstoff-produktion aus Offshore-Windenergie auf der Hannover Messe an Andreas Rimkus MdB, Wasserstoff-Beauftragter der SPD-Fraktion (im Foto links) durch WAB e.V.-Geschäftsführerin Heike Winkler, DWV-Vorstandsvorsitzender Werner Diwald und Jörg Singer, 1. Vorsitzender des AquaVentus e.V.

Über WAB e.V.

Die WAB mit Sitz in Bremerhaven ist bundesweiter Ansprechpartner für die Offshore Windindustrie, das Onshore-Netzwerk im Nordwesten und fördert die Produktion von "grünem" Wasserstoff aus Windstrom. Dem Verein gehören rund 250 kleinere und größere Unternehmen sowie Institute aus allen Bereichen der Windindustrie, der maritimen Industrie sowie der Forschung an. www.wab.net

Pressekontakt WAB e.V: Hans-Dieter Sohn | Senior Communications and Marketing Manager | +49 173 2382802 | hans.sohn @ wab.net

Über den Bundesverband der Windparkbetreiber Offshore e.V.
Der Bundesverband der Windparkbetreiber Offshore e.V. (BWO) vertritt alle Unternehmen, die in Deutschland Offshore-Windparks planen, errichten und betreiben. An der Schnittstelle zwischen Wirtschaft und Politik bündelt der BWO damit als zentraler Ansprechpartner die Kraft und das Know-how für eine erfolgreiche Energiewende in Deutschland und Europa. https://bwo-offshorewind.de

Über AquaVentus
Der AquaVentus Förderverein verfolgt mit seinen fast 100 Mitgliedsunternehmen und -organisationen ein visionäres Vorhaben: Bis zu 1 Million Tonnen Grüner Wasserstoff sollen ab dem Jahr 2035 zwischen Helgoland und Doggerbank gewonnen werden. Unterstützt wird die Initiative von hochinnovativen Organisationen und Forschungseinrichtungen sowie nationalen und international Unternehmen. Die Projektfamilie rund um AquaVentus umfasst mehrere Teilprojekte entlang der Wertschöpfungskette von der Herstellung von Wasserstoff in der Nordsee bis zum Transport auf das Festland. www.aquaventus.org

Über EE.HH
Das Branchennetzwerk Erneuerbare Energien Hamburg (EEHH) ist mit mehr als 220 Mitglieder in der Metropolregion Hamburg zentrales regionales Branchennetzwerk für Energiesysteme der Zukunft und bietet Vernetzungs- und Informationsmöglichkeiten für interessierte Akteure. Seit Februar 2021 erweitert sich das EEHH-Cluster um den Bereich der "grünen" Wasserstoffwirtschaft. www.eehh.de

Über EE.SH
Die Netzwerkagentur Erneuerbare Energien Schleswig-Holstein, EE.SH ist eins der sechs strategischen Cluster des Landes Schleswig-Holstein. Mit unserer Netzwerkarbeit unterstützen wir die Unternehmen und Institutionen der Erneuerbare-Energien-Branche bei der Akquise von Projektmitteln und Projektpartnern. Ziel ist die Umsetzung von Innovationen, Sektorenkopplungs- und Wasserstoff-Projekten und die Vernetzung von Unternehmen mit überregionalen Märkten. Durch unsere Öffentlichkeitsarbeit fördern wir die Akzeptanz von erneuerbaren Energien. www.ee-sh.de

Über DWV
Der Deutsche Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Verband e.V. (DWV) vertritt seit 1996 die Interessen seiner Mitglieder für die Förderung eines schnellen Markthochlaufs des Energieträgers Wasserstoff und der Brennstoffzellentechnologie. Das Ziel ist, die Wasserstoff-Marktwirtschaft als Bestandteil einer nachhaltigen Energieversorgung voranzutreiben. So können die Klimaziele effizient erreicht und gleichzeitig der Erhalt der Versorgungssicherheit und des Industriestandorts Deutschland gewährleistet werden. Wasserstoff, der mit erneuerbaren Energien erzeugt wird, nimmt dabei eine entscheidende Rolle ein. www.dwv-info.de

Über die IG Metall Küste

Die IG Metall Küste: Das sind mehr als 177.000 Mitglieder in Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg, Bremen und dem nordwestlichen Niedersachsen. Wir vertreten die Interessen der Beschäftigten aus den Bereichen Metall- und Elektroindustrie, Handwerk, Textil und Bekleidung sowie Holz und Kunststoff. Unsere größten Branchen sind der Schiffbau, die Luft- und Raumfahrtindustrie, die Automobilindustrie, der Maschinenbau und die Windkraftindustrie. https://kueste.igmetall.de

Über die Stiftung OFFSHORE-WINDENERGIE
Die gemeinnützige Stiftung der deutschen Wirtschaft zur Nutzung und Erforschung der Windenergie auf See wurde 2005 auf Initiative der Branche und unter Moderation des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) gegründet. Ziel der Stiftung ist es, die Rolle der Offshore-Windenergie im Energiemix der Zukunft in Deutschland und Europa zu festigen und ihren Ausbau im Interesse von Umwelt- und Klimaschutz voranzutreiben. www.offshore-stiftung.de

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