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Fachkräftebedarf für Windenergie auf See und "grünen" Wasserstoff: Neue Herausforderung für die Maritime Energiewende

Bremerhaven, 22. Juni 2021 – Die Bundesregierung geht bei der Beschäftigung in der Windindustrie auf See als Teil der maritimen Industrie von veralteten Zahlen aus. Der aktuell immer noch wirksame Ausbaustopp bei der Windenergie auf See und die jüngste Ausbaukrise bei der Windenergie an Land und auf See haben in der Zulieferindustrie in Deutschland tiefe Spuren hinterlassen. Trotz der Korrektur des geplanten Ausbaus auf den von der Branche geforderten langfristigen Ausbaupfad von 40 Gigawatt bis 2040 stellen die Verluste bereits heute eine neue Hürde für die Energiewende dar.

Industrieunternehmen der Windbranche beklagen bereits einen Fachkräftemangel, der die Wertschöpfung der einst vollständigen Offshore-Wind-Wertschöpfungskette in Deutschland beeinträchtigt. Nun gilt es, besser zu verstehen, wie stark und in welchen Bereichen der Lieferkette sich der Verlust an Fachkräften ausgewirkt hat und welche Schritte möglich sind, um die mittel- und langfristigen Ausbaupläne für die Windkraft auf See umsetzen zu können.

"Der Aufbau von Offshore Wind Fachkräften als Teil einer heimischen kompetenten Zulieferindustrie benötigte über viele Jahre Investitionen, Know-how sowie ein großes Engagement von Wissenschaft und Wirtschaft", blickt WAB-Geschäftsführerin Heike Winkler auf die "Gründerzeit" vor dem ersten deutschen Offshore Testfeld "alpha ventus" zurück.

"Um Wertschöpfung und Beschäftigung in Deutschland zu erhalten und nachhaltig zu stärken, sollte die Politik kurzfristig verfügbare Potenziale nutzen, um den Trend mit Bauaktivitäten und einer passgenauen Export- und Forschungsprojekt-Offensive umzukehren und positiv zu verstetigen", sagt Heike Winkler. Außerdem müssen dazu vorhandene und neue Bildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen geschaffen werden. Dafür ist kurzfristig ein kontinuierlicherer und erhöhter Ausbaupfad in Deutschland notwendig, der die Stärken der bundesweit aufgestellten Offshore Windindustrie auch für "grünen" Wasserstoff nutzt und die Beschäftigung absichert.

Die vom Bundeswirtschaftsministerium aktuell veröffentlichte Zahl von 24.400 Vollzeit-Beschäftigten im Bereich Offshore-Wind entspricht dem Stand von 2018. Hier ist es wichtig, eine Analyse mit aktuellen und realistischen Zahlen durchzuführen. Nach einem Höchststand von 28.500 Beschäftigten im Jahr 2016 war bereits die für Ende 2018 ermittelten Zahl von 24.400 Beschäftigten ein von der sich abzeichnenden Ausbaukrise beeinflusster Wert, der seither durch Insolvenzen und Marktabwanderungen noch weiter gesunken ist.

Diese Entwicklung arbeitet das Marktforschungsinstitut wind:research derzeit in einer Erhebung für das Bundesland Nordrhein-Westfalen auf. Ein weiteres Alarmsignal sind die seit Jahren ausbleibenden Neugründungen in der Windenergie, etwa in Baden-Württemberg, wie eine Analyse aus dem vergangenen Jahr gezeigt hat. In den letzten fünf Jahren ist die Gründungsaktivität drastisch eingebrochen: Wir gehen für das Bundesgebiet aktuell von einem Wert aus, der nicht einmal 10 Prozent der Vorperioden entspricht.

Um aktuelle Zahlen und damit den tatsächlichen Stand der Wertschöpfung zu kennen, wird die Studie, aus der die aktuell vom Bundeswirtschaftsministerium genannten Zahlen stammen, derzeit aktualisiert, auch im Auftrag der WAB. "Wir arbeiten derzeit an einer Neuauflage unserer Studie aus dem Jahr 2019, da sich in der Offshore Windenergie in den letzten zwei Jahren viel verändert hat", so Dirk Briese, Geschäftsführer des Marktforschungsinstituts wind:research, das die erste Auflage dieser Studie bereits im Jahr 2011 für die WAB und PWC erstellt hatte. "Aktuelle Ergebnisse für das Jahr 2021 zeigen, dass die Anzahl an Vollzeitäquivalenten eher abgenommen hat und wichtige Marktteilnehmer nicht mehr im Offshore Wind Markt tätig sind, durch Aufgabe, Fusion oder auch Umorientierung auf andere Bereiche." Insbesondere auch die stark gesunkene Anzahl an Neugründungen mache Sorge, so Briese. Die neuen Ergebnisse der dann 3. Auflage der "Wertschöpfungsstudie Offshore Windenergie" werden noch im Sommer erwartet und wieder einen Überblick über die Wertschöpfungskette sowie deren regionale Verteilung in Deutschland geben.

Wirtschaftswachstum durch Zukunftsindustriezweige erfordert Nachhaltigkeit, die auch aus einer kontinuierlichen Auslastung der Wertschöpfungskette entsteht. Die Maritime Industrie sowie die Windindustrie an Land sind seit Beginn fester Bestandteil der Wertschöpfungskette der Offshore Windindustrie - und umgekehrt. Um Synergien dieser Industrien zu realisieren, ist jede von ihnen sowohl auf einen langfristigen und ambitionierten Ausbaupfad und stabilen politischen Rahmen der anderen angewiesen. "Nur eine gesunde Entwicklung dieser Industriezweige wird einen zielorientierten Klimaschutz, eine kosteneffiziente Energiewende und einen erfolgreichen Hochlauf der 'grünen' Wasserstoffwirtschaft ermöglichen", so die Geschäftsführerin der WAB.

Eine weitere Studie zum Thema "Wertschöpfung Wasserstoff und Windenergie" mit diversen Marktakteuren ist in Planung, Interessenten können sich dazu noch bei der WAB melden.

Die Beschäftigungseffekte von Offshore-Wind und "grünem" Wasserstoff werden auch ein zentrales Thema auf der von der WAB organisierten WINDFORCE 2021 Conference am 5. und 6. Oktober in Bremerhaven sein. Weitere Informationen: www.windforce.info

Über die WAB:

Die WAB mit Sitz in Bremerhaven ist bundesweiter Ansprechpartner für die Offshore-Windindustrie, das Onshore-Netzwerk im Nordwesten und fördert die Produktion von "grünem" Wasserstoff aus Windstrom. Dem Verein gehören mehr als 250 kleinere und größere Unternehmen sowie Institute aus allen Bereichen der Windindustrie, der maritimen Industrie sowie der Forschung an.

Kontakt:

Hans-Dieter Sohn | Senior Communications and Marketing Manager WAB e.V. | +49 173 2382802 | hans.sohn @ wab.net

Foto: © WAB